Es gibt im Japanischen ein Wort: yobareru, „gerufen werden“.
In spirituellen Kreisen ist es Alltagssprache, doch hinter der Empfindung, die es hervorgebracht hat, liegt eine eigene Welt, und diese Welt beruht auf einer Tatsache: Das Japanische hat kein Subjekt. Das Wort trägt die Welt, die die japanische Sprache hervorbringt, auf reiche Weise in sich. Und wenn ich darüber nachdenke, gehöre auch ich zu denen, die seit vielen Jahren den japanischen Archipel durchwandern und dorthin gehen, wohin sie gerufen werden.
Niemand hat mir gesagt, ich solle gehen, und es war auch nicht mein eigener Wille. Ehe ich es merkte, war ich von selbst an einen Ort gekommen, hatte seinen Wind gespürt und zu den Göttern gebetet, die dort wohnen. Ehe ich es merkte, war mir meine Aufgabe zuteilgeworden, und ich hatte erkannt, wozu ich in diese Welt, in diese Zeit geboren wurde. Wenn ich einen Lehrer nennen soll, so waren es die Götter und die Orte selbst.
So weit man in Japan auch geht, es lebt aus dieser Empfindung, und sie ist von der Empfindung einer auf das Subjekt gebauten Welt, der Welt einer Sprache wie des Englischen, so weit entfernt, als wären Himmel und Erde auf den Kopf gestellt. Seit der Meiji-Zeit, nun schon seit 160 Jahren, haben die Japaner diese Kraft verloren, die Japans eigene ist.
Wer gerufen wird, für den gibt es den rechten Zeitpunkt. In gewissem Sinn beginnt eine Reise in dem Augenblick, in dem man gerufen wird, und deshalb warte ich, bis ein Ort oder ein Gott mich ruft.
Unter ihnen gibt es in Japan einige wenige Orte, die mich immer wieder rufen. Einer davon ist Izumo Taisha.
Es ist der Schrein des Ōkuninushi, des bedeutendsten der kunitsukami, der Götter des Landes, der als „der Große Herr des Landes“ in den alten Mythen eine mächtige Gegenwart hat. Irgendwann begann ich, ihn zu besuchen, und seit etwa sechs Jahren gehe ich jedes Jahr.
Jedes Mal, wenn ich nach Izumo Taisha gehe, richtet sich mein Rücken auf, und mein Herz wird rein gewaschen. Dann, nach einer Weile, bietet sich wieder die Gelegenheit zu gehen, und ich mache mich auf den Weg. Mir ist, als wäre ich einer jener Götter aus allen Teilen des Landes, die sich einmal im Jahr, beim Kamiari-Fest in Izumo Taisha, darauf freuen, Ōkuninushi zu treffen.
Vielleicht begann das Kamimukae-Ritual, das in alter Zeit am Strand von Inasa stattfand, damit, dass Gerufene sich vom Meer her in Izumo versammelten, den Schrein betraten und über die Erschaffung des Landes und anderes berieten.
Diesmal wurde eine Freundin von mir nach Izumo Taisha gerufen, und ich begleitete sie. Seit sie gerufen wurde, sagt sie, war ihr Kopf von nichts als Izumo erfüllt. Und dann kam der ersehnte Tag.
Wenn ich Izumo Taisha mit anderen besuche, gebe ich weiter, was mir ein Alter aus Izumo einst erzählt hat. Ob Städter oder nicht, ich bitte sie, einige Tage zuvor das Tabu einzuhalten, keine vierbeinigen Tiere zu essen, und wir gehen früh am Morgen beten, Körper und Geist gemeinsam geschärft.
Alles dafür, dass ein Gerufener die Gelegenheit, von den Göttern Izumos empfangen zu werden, voll auskosten kann.
Zur rechten Zeit, mit geschärftem Geist, wird man still empfangen. Wenn der Besuch endet, hat sich das Gesicht meiner Begleitung mit einem Mal aufgehellt. Jedes Mal spüre ich tief, wie groß die Kraft der Götter von Izumo ist, ihre Gäste aufzunehmen.
Natürlich frühstücken wir nicht, und am Abend zuvor lässt sich niemand von der Reise mitreißen und isst nach Belieben. Wenn sie das hören, lassen die meisten Begleiter den Kopf hängen. Also plane ich danach ein Essen mit dem köstlichen Meeresgetier der Halbinsel Izumo ein. Ob es die Kraft der Götter von Izumo ist, kann ich nicht sagen, aber sobald sie hören, dass es gute Meeresfrüchte gibt, halten sich die meisten an die Regel.
Dann, während wir um den Shinji-See wandern, erzähle ich davon, wie die Götter vom Meer kommen, von den Mythen Izumos, vom Ursprung der heiligen Strohseile und von der Welt des alten Izumo.
Wenn ich das immer wieder tue, ohne dass es mir jemand beigebracht hätte, spüre ich allmählich, dass yobareru ein offenes, zutiefst japanisches Wort ist.
Wohin werde ich als Nächstes gerufen?
Das, wie man so sagt, wissen allein die Götter.














